Zusammenfassung

Investment Fraud (Anlagebetrug) verursacht allein in der Schweiz jährlich Schäden in dreistelliger Millionenhöhe, rund 80 % davon durch Cyberbetrug.

Täter agieren zunehmend international, professionell und digital, während klassischer Face-to-Face-Betrug weiterhin verbreitet bleibt. Anlagebetrug folgt meist einem festen Muster: Kontaktaufnahme, Vertrauensaufbau, erste Einzahlungen, vorgetäuschte Gewinne, steigender Druck und letztlich verweigerte Auszahlungen. Besonders gefährdet sind vermögende Privatpersonen, Unternehmer und Anleger auf Renditesuche, Privatpersonen in Finanznöten. Entscheidend sind frühes Erkennen von Warnsignalen, das konsequente Stoppen weiterer Zahlungen und schnelles, professionelles Vorgehen, um Schäden zu begrenzen und Rückführungen zu ermöglichen.

Rapide Zunahme von Anlagebetrug. Warum?

 

Investment Fraud, resp. Anlagebetrug, hat in den vergangenen Jahren weltweit stark zugenommen. Trotz strenger Regulierungen, höherer Transparenzanforderungen und intensiver Aufsicht steigen die Fallzahlen weiter an.

Gründe: Internet und künstliche Intelligenz eröffnen Tätern neue Perspektiven und Tools, mit denen sie Opfer anonym täuschen und manipulieren können. Die Verbreitung von Instant Payments macht das Unterlaufen der klassischen Schutzmechanismen leichter.

Laut Swiss Banking nehmen Fälle von Internetbetrug seit Jahren sowohl weltweit als auch in der Schweiz kontinuierlich zu. Nach Angaben des Bundesamts für Cybersicherheit BACS (früher NCSC) gehören Phishing, Rechnungsbetrug, Identitätsdiebstahl und Social-Engineering-Angriffe zu den häufigsten Cyberdelikten – mit erheblichen finanziellen Schäden. Die Zahlen des BACS bestätigen diese Entwicklung: In Woche 45/2025 wurden allein 20 Fälle von Online-Investment Fraud gemeldet; die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen. (Quelle NASC) 2024 wurden in der Schweiz 34’000 Betrugsfälle gemeldet. Anteil Cyberbetrug ca. 80%. Schadenssumme allein Cyber:  CHF 236 Mio. (Quelle DCBank) (Quelle Jugendsession)

Digitale Kanäle, Social Media und international vernetzte Betrüger-Organisationen erleichtern Tätern den Zugang zu neuen Opfern. Betroffen sind private Anleger genauso wie geschäftliche Investoren, die mit professionell gestalteten, vermeintlich seriösen Angeboten angesprochen werden. Unter unseren Kunden finden sich erfahrene, vermögende Geschäftsleute und bewährte Firmen. Das macht eines klar: Auch Profis sind vor den raffinierten Machenschaften der Betrüger nicht gefeit. Und noch etwas: Schuld sind die Täter, nicht die Opfer. Manchmal müssen wir unseren Kunden zuerst die „Schuld- und Schamgefühle“ ausreden, damit die Bereitschaft besteht, alle Fakten auf den Tisch zu legen.

Es ist wichtig, Risiken zu verstehen, Warnsignale früh zu erkennen und im Ernstfall konsequent zu handeln. Dazu verhilft Ihnen dieser Artikel.

 

Konventioneller Betrug (face-to-face) & Internet-Betrug (Cyberbetrug)

 

Investment Fraud bezeichnet die betrügerische Täuschung von Anlegern durch falsche Renditeversprechen, gefälschten Dokumenten, oder nicht existierende Investitionsmöglichkeiten.
Finanzbetrug gab es schon immer. Doch die „Täter der guten alten Zeit“ (face-to face-Betrug) trafen ihre Opfer noch persönlich und umgarnten sie mit Charme und Hochstapelei. Auch sie logen und fälschten was das Zeug hält, aber sie hatten einen grossen Vorteil: Sie waren physisch fassbar, vor Ort, oder man hatte eine Ausgangsspur.
Doch Vorsicht: Dieser Tätertyp ist nicht etwas ausgestorben, sondern nach wie vor aktiv in der Schweiz wie oben dargelegt, mit ca. 6‘800 Fällen. In unserem Fall-Portfolio haben wir derzeit 38 % konventionelle Betrugsfälle und nur 5 % Internet-Betrugsfälle. Der Rest sind nicht-kriminelle Inkasso-Fälle. Warum so wenig Cyber-Fälle angesichts ihrer Häufigkeit? Die Antwort erhalten Sie weiter unten im Artikel.

Die Kategorisierung von Anlagebetrug wird hier nicht vollständig wiedergebeben. Betrüger sind kreative Menschen. Besonders gefährlich ist Investment Fraud, weil die Opfer oft hohe Summen investieren und die Täter dank professioneller Strukturen, überzeugender Kommunikationsstrategien und internationaler Netzwerke häufig lange unentdeckt bleiben.

  • Ponzi- und Pyramidensysteme: Spezielle Formen des Investment Fraud, bei denen Renditen nicht durch reale Investitionen, sondern durch die Einzahlungen neuer Teilnehmer finanziert werden. Sicher erinnern Sie sich an den Millionenbetrüger Bernard L. Madoff in den USA.
  • CEO Fraud: primär gegen Unternehmen, indem Mitarbeitende durch gefälschte Anweisungen zu Überweisungen verleitet werden.
  • Experten-Betrug: Die Täter nutzen ihre (tatsächlich oft vorhandene) Kompetenz, um Opfern Dinge vorzugaukeln, die es nicht gibt, z.B. sie müssten, um ihr Geld von einem Konto ausbezahlt zu bekommen, zuerst eine „Steuer“ bezahlen oder die Zinsen für das erste Jahr müssten vor Auszahlung des Kredits vorab bezahlt werden.
  • Phishing: Zielt auf Kontodaten ab, nicht auf Investitionen.
  • Identitätsbetrug: Häufig ein Baustein innerhalb eines Anlagebetrugs, muss jedoch nicht zwingend mit einem Investment verbunden sein.
  • Mimikry-Betrug:  Die Täter benutzen oder täuschen die Identität bestehender, seriöser Unternehmen vor und lenken die Kommunikation im Internet an den realen Personen und Firmen vorbei.
  • Rip deals: Betrügerische Tauschgeschäfte
  • usw.

Typischer Ablauf eines Anlagebetrugs

Wir fokussieren uns hier speziell auf die Internet-Betrugsfälle (Cyber-Betrug). Der Ablauf eines Investment Frauds folgt oft einem gut erkennbaren Muster.

Zu Beginn steht die Kontaktaufnahme, die über Telefonanrufe, Social Media, E-Mails oder Online-Anzeigen erfolgt.

Anschließend beginnt der Vertrauensaufbau: Die Täter präsentieren scheinbar professionelle Websites, verweisen auf angebliche Lizenzen oder nennen erfundene Ansprechpartner, um Seriosität vorzutäuschen.

Sobald das Vertrauen hergestellt ist, folgt ein erstes Investment – meist eine kleinere Summe, um die Hemmschwelle niedrig zu halten.

Um die Anleger zu weiteren Einzahlungen zu motivieren, zeigen die Betrüger „Erfolgsberichte“ in Form gefälschter Kontoübersichten oder simulierten Gewinnen. Danach setzen sie gezielt auf Druck und Versprechen: „Jetzt einsteigen“, „Letzte Chance“ oder das Erreichen eines vermeintlichen VIP-Levels sollen dazu führen, dass Opfer den Einsatz erhöhen.

Irgendwann kommt es zur entscheidenden Phase, in der Auszahlungen verzögert oder komplett verweigert werden.

Schließlich verschwinden die Täter, die Server werden abgeschaltet, Telefonnummern deaktiviert, und das investierte Geld ist verloren.

Wer ist häufig von Analgebetrug betroffen?

Betroffen sind verschiedene Zielgruppen. Häufig geraten Personen mit wenig Anlageerfahrung ins Visier, weil ihnen Fachwissen fehlt, um seriöse Angebote von Betrug zu unterscheiden. Ebenso gefährdet sind Menschen mit hoher Vermögenssubstanz oder Anleger, die nach schnellen oder hohen Renditen suchen. Auch Unternehmer, die ihr Kapital diversifizieren möchten, sowie ältere Menschen, die telefonische Beratung schätzen, zählen zu den häufig anvisierten Gruppen. Zu erwähnen sind ebenfalls Privatpersonen, die in Geldnöten sind und sich von „überdurchschnittlichen & schnellen Renditen“ Rettung erhoffen.

Aktuelle Lage in der Schweiz

Vermutlich gelten die nachfolgenden Beobachtungen auch für zahlreiche weitere Länder Europas und weltweit. Wir beschränken uns hier auf die Schweiz, weil wir diesen Markt besonders gut kennen

Die Schweiz ist besonders anfällig für Anlagebetrug, weil Betrüger gezielt vom hohen Vertrauen in den hiesigen Finanzplatz profitieren. Aktuelle Berichte zeigen, dass die Fallzahlen kontinuierlich steigen und die Täterstrukturen zunehmend professioneller werden.

Auffällig sind vor allem folgende Entwicklungen:

  • stärkere Verlagerung hin zu digitalen Betrugsszenarien über Social-Media-Plattformen
  • international vernetzte Gruppen, die Ermittlungen erheblich erschweren
  • immer überzeugendere Fälschungen von Websites, Handelsplattformen und offiziellen Dokumenten
  • steigende finanzielle Schäden bei Privatpersonen und KMU
  • deutlicher Anstieg der Meldungen beim Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (BACS)

Die Behörden warnen deshalb regelmäßig vor gefälschten Tradingplattformen, Krypto-Angeboten, Mining-Paketen und strukturierten Produkten, die keinerlei regulatorischen Anforderungen entsprechen.

 

Praxisfälle

Fall 1: Kreditbetrug mit gefälschtem Finanzierungsdokument

Ein Fall aus unserer Inkasso-Praxis zeigt, wie raffiniert Face-to-Face Investment Fraud ablaufen kann:

Der Fall

Ein privates Paar suchte dringend einen Kredit für den Kauf eines Geschäftshauses. Über eine Online-Recherche stiess er auf eine Firma im Raum Zug, die schnelle Finanzierungen versprach. Nach einem ersten Telefonat wurde ein persönliches Treffen in den Büros nahe Zug vereinbart.

Bei diesem Treffen präsentierte sich der Inhaber, nennen wir ihn Max Züchtig, professionell: Büro in guter Lage, ansprechende Unterlagen, selbstbewusstes auftreten. Man signalisierte: Der Kredit sei kein Problem. Doch dann kam die Forderung: Ein Zinsvorschuss müsse vorab geleistet werden, angeblich üblich bei solchen Finanzierungen. Da Züchtig ein wenn auch gescheiterter Bank-Profi war, kannte er auch den Fachbegriff für einen Zinsvorschuss, ein „Damnum“. Mit solchen Fachbegriffen konnte er die Kunden beeindrucken.

Das hätte eine rote Flagge sein können. Seriöse Kreditgeber verlangen keinen Zinsvorschuss vor Auszahlung des Kredits, sondern ziehen einen solchen allenfalls vom Auszahlungsbetrag ab.

Trotz Zweifeln zahlten die Geschädigten den geforderten Vorschuss von rund 200‘000.— Franken. Als Gegenleistung erhielten sie ein offiziell wirkendes Dokument, das eine Finanzierungszusage bestätigte. Sie erraten es: Eine Fälschung. Das Unternehmen hätte einen Kredit niemals auszahlen können. Hätten die Kunden einen Bonitäts-Check von Firma und Inhaber vorgenommen oder einen Betreibungsregisterauszug (In der Schweiz eine Art Schuldenverzeichnis, in welches man mit einer Legitimation Einsicht erhält. Ein seriöserer Kreditgeber legt eine entsprechende Selbstauskunft auf Wunsch auch vor. Auch Bonitätsabklärungen, wie wir sie u.a. anbieten, geben oft gute (Warn-)hinweise.) verlangt, wäre offenkundig geworden, dass kein Kapital vorhanden ist, dafür massive Schulden.

Der versprochene Kredit wurde nie ausgezahlt. Max Züchtig war wunderbar kreativ mit Ausreden und Hinhaltetaktiken, willigte schliesslich in die Rückzahlung des Zinsvorschusses ein und verschleppte dies ebenfalls, bis es den Kunden zu bunt wurde und sie uns als Ermittler und Inkasso-Spezialisten einschalteten.

Unser Vorgehen

Folgende Schritte wurden eingeleitet. Der Fall ist in Bearbeitung.

  • Recherche über die Firma: Handelsregisterauszug, Betreibungsregister, frühere Geschäftsadressen
  • Ermittlung der verantwortlichen Personen: Geschäftsführer, Gesellschafter, mögliche Strohleute
  • Suche und Lokalisierung des inzwischen zwischen Italien, UK und der Schweiz pendelnden Max Züchtig. Aufsuchen diverser Örtlichkeiten und Kontaktieren verschiedener Personen aus dem Umfeld.
  • Aufgeschreckt meldet sich Züchtig schliesslich. Ein Konfrontationsgespräch steht bevor-
  • Die Strafanzeige wegen Betrugs (Art. 146 StGB) und zivilrechtliche Betreibung sind vorbereitet und können „auf Knopfdruck“ eingereicht werden, wenn das Treffen mit Züchtig kein kurzfristiges Resultat bringt.
  • Weitere erfolgte und geplante Schritte erwähnen wir aus taktischen und Know-how-Schutzgründen nicht.

Wenn der Fall gelöst ist, ergänzen wir diesen Blog mit dem Ergebnis. Schauen Sie also wieder rein!

Um die Länge des Artikels in Grenzen zu halten, schildern wir zwei weitere Fälle kürzer.

Fall 2: Internet-Betrug mit Infiltration der Täterschaft durch uns

Das geschädigte Ehepaar wurde über Internet-Angebote angelockt und verleitet, rund 100‘000.— in eine windiges Finanzprodukt zu investieren. Als sie den Fehler erkannten und das Geld zurückforderten, machten die Täter den Fehler, bei den Opfern zuhause aufzukreuzen. Nicht etwa um sie zu bedrohen, sondern um sie zu einer weiteren Zahlung zu bewegen, natürlich mit dem Versprechen, dann alles inkl. Rendite zu erhalten. Die Kunden waren clever und erfassten heimlich und fotographisch Auto und Personen.

Mit diesen Daten gelang es uns, unter einer Fake-Identität Verbindung mit den Tätern aufzunehmen. Wir gaben vor, „Schwarzgeld“ in Form von Goldbarren an Zahlung geben zu wollen. Damit konnten wir ein Treffen mit den Tätern arrangieren, bei dem wir uns outeten und mit ihnen verhandelten. Wir einigten uns auf Rückzahlung der ganzen Summe, ohne Zinsen oder Erträge, was sie prompt einhielten. Natürlich sicherten wir ihnen im Gegenzug zu, publizistisch und strafrechtlich nichts zu unternehmen. Hinweis: Auch mit Kriminellen muss man am Ende verhandeln. Sie zu demütigen bringt nichts. Auch in den Knast bringen, bringt nicht unbedingt Geld, wie der nächste Fall zeigt.

Fall 3: Rip-deal

Rip-deals sind betrügerische Tauschgeschäfte. In diesem Fall lernte der geschädigte Geschäftsmann die Täter in einer Bar in Norditalien kennen. Dabei erzählte er ihnen von einem speziellen Maschinentyp, den er vertrieb. Nach ca. 3 Monaten kamen die Täter wieder auf ihn zu und meinten, sie hätten Kunden, die sie vermitteln könnten.

Bei einem nächsten Treffen wollten sie eine Provision für die Vermittlung dieser Kunden. Diese sollte CHF 200‘000.— in Goldmünzen betragen. Sie würden ihm im Gegenzug den Betrag in EUR zurückgeben. Durch die zu erwartende Wertsteigerung des Golds wäre ihre Provision dann abgegolten. Es kam auch zu einem schriftlichen Auftrag durch eine Firma mit Sitz in der Schweiz. Diese Firma gibt es zwar, jedoch arbeitet diese in einem anderen Bereich und niemand kannte die Täter dort. Alles war ein Fake. Das alles stellte sich aber erst durch unsere Ermittlungen heraus.

Der Tausch Gold gegen Bargeld sollte auf dem WC eines Cafés entlang der Autobahn im Raum Milano vor sich gehen. Der Kunde prüfte natürlich, ob das Geld echt sei und der Betrag stimme.  Beides war der Fall. Durch einen Taschenspielertrick tauschten die Täter den Koffer heimlich gegen einen äusserlich gleichen aus. Dieser war zudem durch einen Zahlencode geschützt, den sie telefonisch erst übermittelten, als sie über alle Berge waren. Sie erraten es: Dieser Koffer enthielt Falschgeld.

Wir nahmen wiederum über eine falsche Identität Kontakt mit den Tätern auf, köderten sie mit einem Angebot, um sie zu einem Treffen in einer Schweiz zu verleiten. Zuvor sprachen wir uns mit der örtlichen Polizei ab. Diese war vom Plan überzeugt und wir konnten die Täter in eine Falle in einem Parkhaus locken, wo sie verhaftet wurden.

Das Unschöne an dieser Geschichte: Die Täter wurden wohl verurteilt und der Kunde erhielt über den Weg des Beitritts als Privatbeteiligter zum Strafverfahren einen zivilrechtlichen Titel. Die einschlägig vorbestraften Täter sitzen ein und werden ihre Strafe in ein paar Jahren abgesessen haben. Geld hatten sie nachweisbar keines. Und wir können das Inkasso fortsetzen, wenn sie rauskommen.

Prävention

Risiken erkennen: Warnsignale, die auf Anlagenbetrug hindeuten

Es gibt eine Reihe von Warnsignalen, die früh darauf hindeuten können, dass es sich bei einem Anlageangebot um Betrug handelt.

  • Besonders auffällig sind ungewöhnlich hohe Renditeversprechen, die in dieser Form am regulierten Markt nicht erreichbar sind. Besonders clevere Täter versprechen in letzter Zeit allerdings bescheidene, geldmarktkonforme Zinsen.
  • Ebenfalls sehr kritisch ist Zeitdruck, etwa mit Formulierungen wie „Nur heute verfügbar“ oder „Letzte Chance“.
  • Fehlen physischer Adressen, gültiger Lizenzen usw. Lassen sich diese nicht verifizieren, ist ebenfalls Vorsicht geboten.
  • Weitere Hinweise auf unseriöse Anbieter sind auffällige Sprachfehler, ausländische Telefonnummern, Nachweise oder Dokumente, die sich nicht prüfen lassen, sowie eine Kommunikation, die ausschließlich über Call-Center oder Chats ohne klar identifizierbare Ansprechperson erfolgt.

Auch diese Muster sind nicht abschliessend.

Eine besonders fiese Masche: Recovery Scam

Dabei geben ebenfalls betrügerische Firmen vor, Kenntnis vom Verbleib ertrogener Gelder zu haben. Sie kontaktieren die Geschädigten mit dem Angebot, die Gelder zurückbringen zu können – gegen Vorauszahlung einer bestimmten Summe.

Die Zweit-Täter können die Daten nur von den Ersttätern kennen resp. sind identisch. Unnötig zu sagen, dass auch diese Täter über kurz oder lang „abtauchen“. Wir haben einen besonders traurigen Fall kennengelernt, bei welchem eine Person CHF 200‘000.— an die Ersttäter und dann noch zwei Mal an Recovery Scammer CHF 15‘000.— bezahlt hat.

Prävention: So schützen sich Anleger wirksam vor Investment Fraud

Wer sich wirksam vor Investment Fraud schützen möchte, sollte verschiedene Schutzmaßnahmen kombinieren. Neben den offensichtlichen Warnsignalen gibt es konkrete Schritte, die die FINMA und internationale Aufsichtsbehörden empfehlen:

  • Lizenzregister prüfen

Überprüfen Sie, ob der Anbieter bei der FINMA oder einer ausländischen Aufsichtsbehörde autorisiert ist. Nutzen Sie auch offizielle Warnlisten wie die FINMA-Warnliste oder das IOSCO Investor Alerts Portal (I-SCAN).

  • Identität und Seriosität des Anbieters kontrollieren

Recherchieren Sie Handelsregistereinträge, frühere Firmenadressen und Verantwortliche. Verdächtig sind häufige Wechsel von Namen, Adressen oder vertretungsberechtigten Personen.

  • Keine Investitionen über Social Media

Seriöse Finanzinstitute kontaktieren potenzielle Kunden nicht über Direktnachrichten auf Social Media.

  • Internationale Angebote besonders kritisch prüfen

Klären Sie vor einer Investition im Ausland: Wer ist im Streitfall zuständig? Gegen wen müsste man Ansprüche geltend machen – und zu welchem Aufwand?

  • Hohe Renditen als Warnsignal erkennen

Die FINMA betont: Hohe Renditen bedeuten immer hohe Risiken. Verspricht ein Anbieter überdurchschnittliche Gewinne ohne Risiken, handelt es sich fast immer um ein betrügerisches Angebot.

  • Keine grösseren Vorauszahlungen

Seriöse Anbieter verlangen keine Vorabkosten (eine bescheidene Bearbeitungsgebühr evtl .ausgenommen) Insbesondere sind „Zins-Vorauszahlungen“ (bei Krediten) u.dgl. immer ein  sicherer Hinweis auf Betrug. Eine allfälliges Beabeitungshonorar oder eine Zinsvorauszahlung würde ein ehrlicher Anbieter allenfalls vom Auszahlungsbetrag des Kredits abziehen.

  • Nur investieren, was man versteht

Besonders bei komplexen oder innovativen Produkten (z. B. Kryptowährungen, Tokenized Assets) gilt: Nur investieren, wenn man die Funktionsweise wirklich nachvollziehen kann.

  • Nicht unter Zeitdruck setzen lassen

Setzen „nur heute gültige“ Deals oder angebliche VIP-Upgrades Druck auf, ist das ein klassisches Betrugsmuster. Entscheidungen sollten immer mit Ruhe getroffen werden.

Benötigen Sie Hilfe bei einem Verdacht oder einem Verlust aus Anlagebetrug?

 

Wenn Sie Anzeichen von Analgebetrug bemerken oder bereits Geld verloren haben, unterstützen wir Sie dabei, strukturiert und rechtssicher vorzugehen. Unser Team verfügt über Erfahrung im internationalen Forderungsmanagement und kennt die Besonderheiten komplexer Betrugsfälle. Und wir sind bereit und in der Lage, Betrüger auch mit den eigenen Waffen zu schlagen. Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Ersteinschätzung.

 

Jetzt Geld zurückholen

Hilfe bei Anlagebetrug

Wer Opfer eines Investment Frauds geworden ist, sollte schnell und strukturiert handeln. Die folgenden Schritte helfen, den Schaden zu begrenzen, wichtige Beweise zu sichern und sein Geld eventuell auch wieder zurückzuerhalten.

1. Sofort handeln und Zahlungen stoppen

Überweisen Sie keine weiteren Beträge – auch nicht für angebliche Auszahlungsgebühren, Freischaltungen oder Steuerforderungen. Diese Nachforderungen sind typischer Bestandteil des Betrugsmusters.

2. Alle Beweise sichern

Sammeln Sie jede Form von Kommunikation und Dokumentation:

  • E-Mails und Chatverläufe
  • Verträge, Unterlagen, Screenshots von Plattformen
  • Zahlungsbelege, Kontoauszüge

Diese Informationen sind entscheidend für Ermittlungen und mögliche Rückbuchungen.

3. Finanzdienstleister informieren

Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank, Kreditkartenanbieter oder genutzten Zahlungsdienstleister.

  • Prüfen Sie, ob eine Rückbuchung („Chargeback“) möglich ist.
  • Lassen Sie Zahlungen sperren oder blockieren, wenn sie noch nicht ausgeführt wurden.

4. Offiziell melden und Anzeige erstatten

Wenden Sie sich an:

  • die lokale Polizei oder kantonale Strafverfolgungsbehörden
  • die Staatsanwaltschaft
  • das Bundesamt für Cybersicherheit BACS

Eine frühzeitige Meldung erhöht die Chancen, Geldströme nachzuverfolgen.

5. Schnell handeln

Viele Täter agieren international und verschwinden rasch. Je früher Ermittlungen beginnen, desto eher lassen sich Finanzflüsse einfrieren oder weitere Opfer verhindern.

6. Professionelle Unterstützung einholen

Seriöse Inkassodienstleister und spezialisierte Ermittler können:

  • Transaktionswege analysieren, auch Crypto – Transaktionen
  • beteiligte Dienstleister identifizieren
  • Haftungs- oder Regressmöglichkeiten prüfen z.B. gegen Vermittler, Geldempfänger („money moules“
  • für die Koordination und Kommunikation mit Behörden
  • Kreative Fake- und Täuschungsmanöver gegenüber den Tätern anwenden

Professionelle Begleitung erhöht die Chance, verwertbare Spuren zu sichern und systematisch gegen die Täter vorzugehen.

Gerade bei Anlagebetrug ist fachkundige Unterstützung nötig. Viele Täterstrukturen bleiben ohne professionelle Analyse unsichtbar – erst spezialisierte Ermittlungs- und Inkassoverfahren ermöglichen es, Verantwortliche und Geldflüsse zu identifizieren.

Bei face-to-face-Fällen liegt unsere Erfolgsquote im Schnitt aller Fälle (per Ende 2025: 75.2 %). Bei Cyber-Fällen liegt sie tiefer. Wir haben dann Chancen auf Erfolg, wenn wir Täter lokalisieren und physisch antreffen können. Daher sind wir vorsichtig und selektiv bei der Annahme von Cyber-Fällen. Dies erklärt den relativ geringe Anteil reiner Cyber-Fälle  in unserem Portfolio.

Über den Autor
Edgar Gass absolvierte sein Studium in Psychologie, Informatik und Wirtschaft an den Universitäten Basel und Zürich und schloss 1982 als lic. phil. ab. Nach über drei Jahrzehnten Erfahrung als Unternehmensberater und Inkasso-Dienstleister übernahm er 2021 die Geschäftsführung der weltweit tätigen Inkasso-Team AG mit Sitz in Basel. Er und sein Team sind bekannt für ihr investigatives und hartnäckiges Inkasso.