Kreditbetrug ist nicht gleich Kreditbetrug

 

Vorab ist eine Begriffsklärung nötig: Kreditbetrug ist ein Straftatbestand im deutschen Strafrecht (§ 265b). Er wurde als Spezialfall des Eingehungsbetrugs präziser gefasst. Kreditbetrug würde beispielsweise vorliegen, wenn eine Firma zur Erlangung eines Kredits eine gefälschte Bilanz vorlegen würde. Täter ist in solchen Fällen der Kreditnehmer. Von solchem Kreditbetrug sprechen wir im vorliegenden Artikel nicht. Hier geht es um betrügerische Anbieter von Krediten, bei denen der Kreditnehmer / die Kreditnehmerin geschädigt wird.

Wie funktionieren betrügerische Kreditangebote?

 

Die einfachste Definition lautet: Man verspricht dir etwas, was es nicht gibt und was es nicht geben kann:

 

  • Unkomplizierte Abwicklung ohne Bonitätsprüfung
  • Auch verschuldete Personen (mit entsprechenden Schufa-, ZEK und Betreibungsregistereinträgen) erhalten angeblich problemlos einen Kredit
  • Es sind keine Sicherheiten nötig
  • Es müssen keine Geschäftszahlen oder sonstige Dokumente vorgelegt werden. Der Personalausweis soll in der Regel reichen. Allerdings werden manchmal auch weitreichende Dokumente verlangt, dies allerdings um den Anschein von Seriosität zu erwecken oder die Daten zu missbrauchen.
  • Die angebotenen Kredithöhen sind grosszügig hoch
  • Die Zinsen sind sehr tief
  • Die Rückzahlungsbedingungen sind grosszügig

 

Und das Wichtigste: Du musst finanzielle Vorausleistung erbringen, damit du den Kredit angeblich bekommst, z.B. für Bearbeitungsgebühren, Bonitätsprüfung, behördliche Gebühren und Steuern, Notarkosten usw. Diese Beträge reichen von einigen hundert bis mehrere tausend Franken oder Euro. Wenn jemand diese Zahlung geleistet hat, passiert im besten Fall nichts mehr. Und natürlich bekommt er niemals einen Kredit ausbezahlt.

Im schlimmsten Fall fallen den Betrügern im Nachgang weiterer Stolpersteine ein und stellen Nachforderungen, z.B. für zusätzliche Gebühren infolge gesetzlicher Veränderungen, weitere Anwaltskosten usw. usf. Uns sind Fälle bekannt, in denen Personen zehntausende, ja sogar hunderttausende von Franken / Euros bezahlt haben im Glauben, sie würden dann eine hohe Kreditsumme ausbezahlt bekommen.

Warum ist Kreditbetrug verbreitet?

 

Wenn man das so liest, könnte man denken: Warum fällt denn überhaut jemand auf so etwas herein? Doch Achtung: Auch wenn es im Strafrecht den Begriff der Opfermitverantwortung gibt, wäre es falsch, die Schuld den Betrogenen aufzuerlegen, getreu dem geflügelten Wort: Wer den Schaden hat muss sich um den Spott nicht sorgen.

Nein, Kreditbetrug ist verbreitet, weil die Täter oftmals sehr raffiniert vorgehen. Und selbst intelligente Menschen fallen auf Betrüger herein, wenn sie sich in einer Notlage befinden, z.B. das Unternehmen steht ohne Kredit, den es von der Bank nicht mehr bekommt, vor der Insolvenz. In Not- und Stress-Situationen leidet oft das sonst vorhandene vorsichtige, vernünftige Denken. So besteht ein Denkfehler von Geschädigten beim Kreditbetrug etwa darin, dass sie nach der ersten Nachforderung denken: «Jetzt benötigen sie nochmals 1’000.–. Wenn ich die tausend nicht bezahle, bekomme ich keinen Kredit und die 2’000.— zuvor bezahlten Gebühren sind verloren. Da wäre es doch besser die tausend noch zu bezahlen.» Wenn man das so liest, wird der sachlogische Unsinn offenkundig. Menschen handeln dann unlogisch, wenn sie von falschen Voraussetzungen ausgehen. Sie blenden im vorliegenden Fall aus, dass sie niemals einen Kredit erhalten werden. Wenn man Opfer eines anfänglichen Betrugs (oder sonstigen Schadens) geworden ist, so ist es immer richtig, in dem Moment auszusteigen, in dem man den Schwindel erkennt oder schon ein ungutes Gefühl hat. Mir anderen Worten: Schadensbegrenzung betreiben.

Kann die Inkasso-Team AG bei Kreditbetrug helfen?

 

Manchmal. Aber unsere Erfolgsquote ist bei diesen Inkassofällen deutlich geringer und erreicht keinesfalls die Erfolgsquote von rund 75%, die wir bei «normalen» Inkassofällen erzielen. Das liegt daran, dass betrügerische Kreditanbieter in aller Regel über das Internet und Fake-Identitäten operieren. Besonders anfällig war in den vergangenen Jahren Facebook, aber auch andere soziale Medien dienen als Plattform. Manchmal kommen die Angebote via E-Mail aufgrund gehackter oder sonst wie erworbener E-Mail-Adressen an den Markt.

Die Betrüger sind in den letzten Jahren immer besser geworden. Sie operieren zum Teil aus tatsächlich existierenden Firmen heraus, die allerdings fast nie in der Schweiz oder der EU domiziliert sind. Oder sie stellen sich oft auf sehr professionellen Websites zumindest als erfolgreiche und seriöse Firma dar. Anrufe kann man leicht spoofen, das heisst man bedient sich der Internet-Telefonie und täuscht lokale Telefon-Nummern vor. Wir haben auch schon beobachtet, dass internationale Betrüger-Ringe, lokale Komplizen einsetzen, z.B. einen schweizerdeutsch sprechenden Mitarbeiter für die Schweiz.

Wir konnten in den Fällen Erfolge verbuchen, wenn es gelang, einen lokalen Bezug der Täter zu entdecken oder sie in die Schweiz oder nach Deutschland zu locken. Solche Fälle haben wir beschrieben in unserem Blogbeitrag Anlagebetrug – was tun?. In anderen Fällen sind uns zwar keine Geldrückführungen gelungen, aber Teilerfolge, z.B. gelang es in einem der beschriebenen Fälle, die Täter nach Zürich zu locken und dort in Zusammenarbeit mit der Polizei zu verhaften. In einem anderen Fall erwirkten wir einen internationalen Haftbefehl; ob dieser zur Verhaftung und dann allenfalls zur Belangung des Täters führt, ist offen.

Prävention lautet die Devise

 

Unser Beitrag sollte hier darin bestehen, aufgrund unserer Erfahrung und vieler anderer aufzuzeigen, wie man Schäden durch Kreditbetrug vermeidet.

 

Es gibt dabei zwei wichtige Regeln:

  1. Sei vorsichtig, wenn ein Angebot sehr vorteilhaft erscheint oder stark von sonst üblichen Konditionen abweicht. Ein geflügeltes Wort sagt: «There ain’t no such thing as a free lunch“ (So etwas wie ein Gratis-Essen gibt es nicht)
  2. Bezahle niemals für einen Kredit im Voraus. Auch Banken verlangen manchmal Kreditbearbeitungsgebühren. Doch abgesehen davon, dass es auch hierfür in Deutschland keine rechtliche Grundlage gibt (zumindest nicht bei Verbraucher- und Unternehmerkrediten sowie Bausparverträgen), musst du diese Gebühren nicht im Voraus bezahlen, sondern sie werden aus dem Kredit bezahlt resp. z.B. jährlich berechnet. Der Verdienst des Kreditgebers besteht aus den Zinsen.

 

Weitere häufige Erkennungsmerkmale betrügerischer Kreditangebote:

  • Kontaktaufnahme per WhatsApp, soziale Medien oder E-Mail
  • Verlangen persönlicher Daten wie Bankverbindung, Ausweiskopie oder Lohnabrechnungen für eine angebliche Bonitätsprüfung. Diese Daten werden oft für andere Straftaten weiter missbraucht.
  • Dokumente wie Banklizenzen, Kreditverträge usw. sind nicht nur gefälscht, sondern oft geschäftsunüblich gestaltet (bunt, enthalten ClipArt-Graphiken, sprachlich nicht korrekt usw.)
  • Manchmal wird ein vermeintlicher oder auch echter Anwalt oder Notar für die Abwicklung zwischengeschaltet
  • Besonders gefährlich wird es, wenn die Betrüger Word- oder Excel-Dokumente senden, die du öffnen solltest. Solche Dokumente können Schad- und Spionage-Software enthalten. Öffne auch keine Links, wenn du dazu aufgefordert wirst, und lade keine Dokumente herunter. Ebenfalls sind Fälle bekannt, in denen die Betrüger via Fernwartungsprogramm wie „Teamviewer“ Zugang zum Computer verlangt haben
  • Auch wurde schon verlangt, per Videoident-Verfahren ein Konto bei einer Bank zu eröffnen, wogegen an sich nichts einzuwenden wäre. Aber dann verlangen die Betrüger die Zugangsdaten.
  • Gefälschte Erfolgsberichte, z.B. von Facebook-Freunden
  • Du bekommst eine Personalausweiskopie des angeblichen Sachbearbeiters. Geh davon aus, dass er (gut) gefälscht ist
  • Du bekommst Zugangsdaten zu einem angeblich persönlichen Nutzerkonto auf einer Internetseite, auf der man vermeintlich das Bewilligungsverfahren des Kredites sehen kann. Solche Applikationen sind leicht zu erstellen und besagen gar nichts

 

Weitere Warnhinweise und Beispiele findest du hier.

Die bessere Alternative, wenn du einen Kredit benötigst

 

Finanzierung durch Kredite sind ein unverzichtbarer Motor des Wirtschaftslebens, ebenso sind es Baukredite und Hypotheken im Immobiliengeschäft. Banken oder andere Finanzierer wenden teils gesetzlich vorgeschriebene, teils aus Sicherheitsgründen nötige Prozeduren an, wie eben Bonitätsprüfung, Analyse der Geschäftszahlen an, usw., um das Geschäft für alle Beteiligten in überschaubare und (für den Anbieter) in rentable Bahnen zu lenken.

Wenn du einen Privatkredit benötigst, informiere dich bei Moneyland über realistische Möglichkeiten und faire Konditionen. Privatkredite rentieren nie, den Cash verdient und bezahlt ist immer günstiger. Doch sie können in Ausnahmefällen eine Überbrückungshilfe darstellen. Dann aber via einer seriösen Bank. Lass dich von keiner Not in die Arme krimineller Kreditbetrüger treiben.